YouTube Unfiltered: Warum Reichweite allein keine Wirkung garantiert

Publiziert am 25.03.2026

Tagtäglich erreichen Marken auf YouTube Millionen von Menschen – doch wer schaut wirklich hin? Unsere neueste Studie mit der GfK zeigt: Reichweite allein garantiert keine Wirkung. Entscheidend ist, mit welchem Nutzungsmotiv Inhalte konsumiert werden – und unter welchen Bedingungen Werbung auf die Nutzer:innen trifft.

YouTube ist mit 2,6 Millionen wöchentlichen Nutzer:innen (18–59 Jahre) der grösste Bewegtbildkanal der Schweiz und lässt damit sogar die grossen TV-Sender hinter sich. Jede Minute werden weltweit über 500 Stunden neues Videomaterial hochgeladen. Für Werbetreibende bedeutet das eine enorme Auswahl an Inventar. Die schiere Grösse bringt allerdings nicht nur Reichweite mit sich, sondern auch eine neue Herausforderung: Zu verstehen, mit welchem Nutzungsmotiv Inhalte konsumiert werden – und unter welchen Bedingungen Werbung tatsächlich Aufmerksamkeit erhält und Wirkung entfalten kann.


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Ein Kontakt ist erst der Anfang – die Erinnerung zählt

Ein Kontakt in den gängigen Mediametriken ist noch lange keine Garantie für den Werbeerfolg. Ein technischer Messwert sagt uns zwar, dass eine Anzeige geladen wurde, aber er verrät uns nicht, ob sie auch wirklich eine Chance hatte, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wir nennen das den Attention Gap – die Lücke zwischen der technischen Auslieferung und der tatsächlichen Werbeerinnerung.

Wir haben genau hingeschaut, um diese Lücke besser zu verstehen. Durch die Kombination unserer Wirkungsforschung mit den neuesten Ergebnissen aus unserer Nutzungsstudie mit der GfK verstehen wir heute präzise, wie Menschen in der Schweiz YouTube wirklich nutzen – und unter welchen Bedingungen Werbebotschaften wahrgenommen und erinnert werden.

Nutzungsmotive entscheiden: Warum nicht jeder Kontakt gleich wirksam ist

Die Studie zeigt: YouTube ist nicht einfach ein „Lean-back“-Medium. Entscheidend für die Werbeerinnerung ist das Motiv, mit dem Inhalte konsumiert werden.

  • Die ideale Voraussetzung für Werbewirkung

    Einige Nutzungsmotive gehen häufiger mit hoher Aufmerksamkeit einher als andere. Wird YouTube gezielt genutzt, um ein Problem zu lösen oder sich mit einem Thema auseinanderzusetzen oder Inhalte bewusst zu verfolgen – etwa im Rahmen von Sport oder spezifischen Interessen – entstehen oft fokussierte Nutzungssituationen. In solchen Momenten ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Werbebotschaften wahrgenommen und erinnert werden.

  • Wenn Werbung zum Hintergrundrauschen wird

    Andere Nutzungsmotive – etwa der parallele Konsum von Inhalten oder die gezielte Ablenkung – führen dagegen eher zu weniger fokussierten Kontakten. In diesen Situationen entstehen zwar Kontakte, aber oft mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit für nachhaltige Wirkung.

„YouTube ist nicht gleich YouTube“, lautet das Fazit unserer Media-Experten und Studienautoren. Für Werbetreibende ist es daher entscheidend, Nutzungsmotive zu verstehen und gezielt jene Kontexte zu adressieren, in denen fokussierte Kontakte wahrscheinlicher entstehen.

Weitere Erkenntnisse im Überblick

Hohe Nutzungsdauer: Ein fester Bestandteil des Tages

YouTube ist kein „Snacking-Medium“ für zwischendurch mehr. Im Durchschnitt verbringen Schweizer:innen werktags 41 Minuten und an Wochenenden sogar 50 Minuten auf der Plattform. Diese hohen Werte zeigen, dass YouTube für viele Nutzer:innen das klassische Fernsehen als Hauptunterhaltungs- und Informationsquelle abgelöst hat. Für die Mediaplanung bedeutet das: YouTube braucht eine ebenso strategische Budgetierung wie das klassische TV.

Junges Publikum dominiert: Die Herausforderung der Aufmerksamkeit

Die Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen weist die höchste Nutzungsintensität auf. Gleichzeitig ist dies jedoch die Zielgruppe, die am stärksten zu Multitasking und „Second Screening“ neigt. Während die Nutzung mit steigendem Alter signifikant abnimmt, steigt dort oft die Exklusivität der Aufmerksamkeit. Wer Junge erreichen will, muss noch präziser auf den Kontext achten, um nicht im Hintergrundrauschen unterzugehen.

Peak am Nachmittag: Die neue Prime Time

Ein überraschendes Detail: Die stärkste Nutzung findet an Werktagen wie auch am Wochenende bereits am Nachmittag zwischen 14:00 und 17:00 Uhr statt. In diesem Zeitfenster wird YouTube aus unterschiedlichen Motiven genutzt – von gezielter Informationssuche und dem Vertiefen von Themen bis hin zu Unterhaltung und Ablenkung. Damit vereint die Plattform in dieser Phase sowohl aufmerksame als auch weniger fokussierte Nutzungssituationen. Für Marken ergibt sich daraus ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bietet der Nachmittag ein hohes Reichweitenpotenzial, andererseits steigt gleichzeitig das Risiko, im Hintergrundrauschen unterzugehen. Entscheidend ist daher, in welchen Nutzungssituationen Kontakte entstehen.

Der Device-Check: Warum das Smartphone das Herz der Aufmerksamkeit bleibt

Oft wird Connected TV (CTV) als der heilige Gral der Werbequalität gefeiert. Unsere Daten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild: Während der grosse Bildschirm zwar wächst, finden die aufmerksamkeitsstärksten Momente weiterhin primär auf dem Smartphone und dem Desktop statt. Hier sind die Nutzer:innen am aktivsten und am fokussiertesten – und damit am empfänglichsten für Botschaften.

Fazit: Mediaplanung ist das Verstehen von Zusammenhängen

Echtes Markenwachstum entsteht nicht durch Automatisierung allein. In einer Welt, in der Algorithmen fast alles übernehmen, wird das tiefe Verständnis von Nutzungssituationen zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil. Nur wer versteht, wie und warum Menschen Medien nutzen, kann die Lücke zwischen einem Klick und einer echten Erinnerung schliessen. Unser Ziel als unabhängige Mediaagentur bleibt es, die Komplexität von Reichweite in echte Wirkung zu verwandeln und so nachhaltigen Mehrwert für Marken zu schaffen.


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